Ein Bauwagen. Und ziemlich viel Vertrauen.

Bauen & Ortsentwicklung

Auf dem Freibadparkplatz in Bendestorf steht seit Kurzem ein Bauwagen. Was zunächst ziemlich unspektakulär klingt, könnte für einige Jugendliche im Dorf etwas sehr Wichtiges werden: ein eigener Ort. Zum Treffen, Reden, Zusammensitzen. Und vor allem ein Ort, an dem sie sein dürfen.

Dass der Bauwagen nun auf dem Freibadparkplatz steht, ist Jan Sommer von der BUG zu verdanken. Er hat den Wagen gesponsert und sich dafür eingesetzt, dass er ziemlich schnell seinen Platz dort finden konnte. Gemeinsam mit engagierten Jugendlichen und Unterstützung aus dem Dorf wurde aus einer Idee damit etwas ganz Konkretes. Dafür möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich Danke sagen. Denn der Wunsch, Jugendlichen in Bendestorf einen eigenen Raum zu geben, beschäftigt uns schon länger und wird aus verschiedenen Richtungen gedacht. Umso schöner ist es, wenn eine dieser Ideen irgendwann nicht mehr nur auf dem Papier steht, sondern plötzlich ganz real auf einem Parkplatz. 

Die Jugend braucht einen solchen Ort. Es ist kein neuer Gedanke. Bereits in der bisherigen Jugendarbeit wurde deutlich, dass Jugendliche sich einen Platz wünschen, an dem sie sich aufhalten können, ohne ständig das Gefühl zu haben, irgendwo zu stören. In einem Bericht der Gemeinde wird ausdrücklich beschrieben, dass Jugendliche sich einen Ort wünschen, an dem sie in Ruhe zusammenkommen können – und dass es in Bendestorf bislang zu wenige entsprechende Treffpunkte gibt.

Und gerade jetzt beginnt die Jahreszeit, in der dieses Problem ziemlich praktisch wird. Im Sommer kann man draußen sitzen, durchs Dorf ziehen, am Freibad sein. Im Herbst sieht die Sache irgendwann anders aus. Dunkel. Kalt. Nass. Irgendwo muss man dann trotzdem hin.

Der Freibadparkplatz bietet sich dafür zumindest während der Wintermonate an: Das Freibad ist geschlossen, der Platz vorhanden – und nun steht dort dieser Bauwagen.

Aber eigentlich steht dort noch etwas anderes.

Vertrauen.

Denn ein solcher Ort funktioniert nur dann, wenn diejenigen, für die er gedacht ist, auch Verantwortung dafür übernehmen. Müll wegräumen. Dinge heil lassen. Aufeinander achten. Den Bauwagen behandeln, als wäre er tatsächlich der eigene Treffpunkt – denn genau das soll er ja sein.

Die Gemeinde gibt damit ein Stück Verantwortung aus der Hand. Und die Jugendlichen bekommen die Gelegenheit zu zeigen, was sie daraus machen. Das ist keine Einbahnstraße.

Natürlich ist damit noch längst nicht alles geregelt. Genau deshalb handelt es sich zunächst um ein Pilotprojekt. Fragen zu Öffnungszeiten, Zugang, Nutzung, Verantwortung und einer möglichen Nutzungsvereinbarung müssen noch geklärt werden. Nach aktuellem Stand soll die weitere Beratung im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt am 6. Oktober 2026 erfolgen.

Und ja, solche Fragen sind wichtig. Wer öffnet und schließt? Wer fühlt sich verantwortlich, wenn etwas passiert? Welche Regeln braucht es? Was ist erlaubt und was nicht?

Trotzdem wäre es schade, wenn die notwendigen Regeln am Ende genau das verhindern, was sie eigentlich ermöglichen sollen.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Aufgabe dieses Pilotprojekts: herauszufinden, wie viel Regel ein gemeinsamer Ort braucht – und wie viel Vertrauen man ihm lassen muss.

Denn Vertrauen funktioniert nur, wenn beide Seiten etwas riskieren. Die Erwachsenen müssen ein Stück Kontrolle abgeben. Die Jugendlichen müssen zeigen, dass man ihnen diese Freiheit lassen kann.

Und vielleicht ist dieser Bauwagen deshalb am Ende tatsächlich größer, als seine paar Quadratmeter vermuten lassen.

Er könnte ein Ort werden, an dem Jugendliche ihren Platz im Dorf finden.

Jetzt liegt ein Teil davon auch in ihren Händen.

Update 27.09.2026

Der Bauwagen ist umgezogen

Inzwischen steht der Bauwagen nicht mehr auf dem Freibadparkplatz, sondern am Sportgelände. Hintergrund ist die rechtliche Prüfung durch die Verwaltung: Die ursprünglich vorgeschlagenen Standorte am Freibadparkplatz bzw. auf der Streuobstwiese kommen nach Prüfung der planungs- und baurechtlichen Voraussetzungen nicht infrage. Als Alternative wurde die Fläche am Sportgelände geprüft. Dort ist die Aufstellung des Bauwagens verfahrensfrei möglich. Nach Rückmeldung von Jan Sommer wird dieser Standort von einigen der angesprochenen Jugendlichen sogar bevorzugt.

Die Idee bleibt also bestehen – nur der Platz hat sich verändert.

Und vielleicht ist genau das die gute Nachricht: Der Bauwagen bleibt als Treffpunkt für Jugendliche erhalten. Jetzt geht es darum, gemeinsam gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit daraus wirklich ihr Ort werden kann.

Manchmal führt ein kleiner Umweg eben doch ans Ziel.

Update 24.09.2026

Nach einer heutigen Rückmeldung der Gemeindeverwaltung möchten wir den aktuellen Stand zum Bauwagen ergänzen und einige Punkte präzisieren:

Der Gemeinderat hat den Vorschlag, einen Bauwagen als Treffpunkt für Jugendliche auf dem Freibadparkplatz aufzustellen, grundsätzlich befürwortet. Eine formelle Genehmigung oder ein entsprechender Ratsbeschluss liegt derzeit jedoch noch nicht vor. Die Verwaltung prüft aktuell, ob der Bauwagen dort stehen darf; eine Rückmeldung des Landkreises steht noch aus.

Nach Auskunft der Verwaltung wurde der Bauwagen ohne vorherige Abstimmung mit ihr auf dem Freibadparkplatz abgestellt. Auch die Rahmenbedingungen für eine zukünftige Nutzung sind noch nicht beschlossen.

Das weitere Verfahren ist derzeit wie folgt vorgesehen: Am 6. Oktober 2026 soll das Thema im Bauausschuss beraten werden. Am 27. Oktober 2026 folgen die Beratungen im Verwaltungsausschuss und anschließend die Entscheidung im Gemeinderat.

Unser grundsätzlicher Gedanke zum Projekt bleibt davon unberührt: Wir würden uns freuen, wenn es gelingt, für die Jugendlichen einen solchen Treffpunkt zu schaffen und dafür gemeinsam gute und praktikable Rahmenbedingungen zu finden.